Chroma

Farbstifte für draussen: Auswahl und Papier

Du lernst, welche Farbstifte und welches Papier draussen wirklich funktionieren – und warum zwölf Stifte ohne Schwarz völlig reichen.

15 Min.

Farbstifte sind die unkomplizierteste Art, draussen zu skizzieren: kein Wasser, keine Trockenzeit, kein Kleckern. Du setzt dich hin, klappst das Buch auf und legst los. Genau deshalb lohnt es sich, am Anfang zwei Entscheidungen bewusst zu treffen – welche Stifte und welches Papier. Beides bestimmt mehr über das Ergebnis als jede Technik, die danach kommt.

Wachs oder Öl: zwei Charaktere

Die meisten Farbstifte haben ein wachsbasiertes Bindemittel. Ihre Minen sind weich, geben viel Pigment ab und decken schon nach einem Zug kräftig. Das ist wunderbar, wenn du Flächen füllen willst: eine Hauswand, ein Vordach, den Himmel über den Dächern. Der Preis dafür: Die Spitze stumpft schnell ab, die Mine bricht leichter, und bei vielen Schichten bildet sich ein leichter, milchiger Wachsschleier auf der Oberfläche, der die Farben matt aussehen lässt.

Ölbasierte Farbstifte sind härter. Sie halten ihre Spitze länger, liefern feine, präzise Linien und lassen sich in dünnen Schichten übereinanderlegen, ohne dass die Oberfläche zumacht. Pro Strich kommt weniger Farbe aufs Papier, du brauchst also mehr Durchgänge für eine satte Fläche. Für Architektur, Fensterreihen, Geländer und Schriftzüge sind sie die ruhigere Wahl.

Du musst dich nicht entscheiden: Eine gemischte Handvoll funktioniert gut, wenn du die weichen, wachsigen Stifte für die letzten Schichten aufsparst. Umgekehrt gleitet ein harter Stift über eine wachsige Fläche oft nur noch hinweg, ohne zu greifen.

Die dritte Familie: Aquarellstifte

Aquarellstifte sehen aus wie normale Farbstifte und verhalten sich trocken auch so, nur meist etwas kreidiger und blasser. Ihr Trick kommt erst mit Wasser: Ein feuchter Pinsel löst das Pigment, und aus der Schraffur wird eine gleichmässige Lasur. Das ist ein eigenes Kapitel, dem wir später ein ganzes Modul widmen. Für den Start reicht es, wenn du weisst, dass diese Stifte existieren – kauf dir nicht gleich ein zweites komplettes Set, sondern höchstens drei oder vier einzelne Stifte zum Ausprobieren.

Zwölf Stifte reichen

Grosse Sets mit 72 Farben sehen verlockend aus und bremsen dich draussen aus, weil du länger suchst als zeichnest. Eine bewusst kleine Auswahl bringt dich weiter: je ein warmes und ein kaltes Gelb, ein warmes und ein kaltes Rot, ein warmes und ein kaltes Blau. Mit diesen sechs mischst du durch Übereinanderlegen fast jeden Farbton, den eine Strasse dir anbietet. Dazu kommen Siena gebrannt und Ocker – die zwei Erdtöne, aus denen Putz, Ziegel, Holz und Sandstein bestehen. Ein dunkles, tiefes Blau wie Indigo übernimmt die Schatten, ein mittleres Grau hilft bei Asphalt, Metall und Regenhimmel. Bleibt noch Platz für ein Grün deiner Wahl und einen weissen Stift, den du auf getöntem Papier fürs Licht brauchst.

Was fehlt, ist Schwarz – absichtlich. Schwarze Farbstiftschatten wirken stumpf und wie ein Loch im Bild. Legst du stattdessen Indigo über Siena gebrannt, bekommst du ein genauso tiefes Dunkel, das aber Farbe behält und je nach Druck ins Warme oder Kalte kippt. Einen einzigen Stift weniger dabeizuhaben, verbessert deine Bilder also sofort.

Das Papier entscheidet mit

Farbstift braucht Zahn, also eine leichte Rauheit, in der sich das Pigment verfängt. Papier zwischen 120 und 160 Gramm pro Quadratmeter mit leicht rauer Oberfläche nimmt problemlos fünf, sechs Schichten auf, bevor es dicht ist. Genau davon lebt diese Technik. Sehr glattes Papier gibt dir dagegen feinere, sauberere Linien, sättigt sich aber schnell: Nach zwei Lagen rutscht der Stift nur noch über die Fläche. Für den Einstieg ist ein Skizzenbuch in A5 mit leicht rauem Papier die sichere Wahl.

Getöntes Papier in Grau oder Beige ist der beste Trick, den diese Technik zu bieten hat. Der Papierton übernimmt den Mittelton, du sparst dir also eine ganze Schicht und arbeitest nur noch Schatten und Lichter heraus. Auf Beige wirkt eine Altstadtgasse sofort warm, auf Grau ein Regentag stimmig – und ein weisser Stift leuchtet dort, wo er auf weissem Papier unsichtbar wäre.

Spitzer, Verlängerer, Etui

Nimm einen Handspitzer mit geschlossenem Spänebehälter mit, sonst verteilst du Abfall auf der Bank oder im Rucksack. Ein Stiftverlängerer verdoppelt die Lebensdauer deiner Lieblingsfarben, denn genau die werden zuerst kurz. Und transportiere die Stifte in einem Etui mit einzelnen Gummischlaufen statt in einem Mäppchen, in dem sie lose aneinanderschlagen. Gebrochene Minen sieht man von aussen nicht – du merkst es erst, wenn der Stift beim Spitzen immer wieder in Stücke fällt. Ein Etui für rund CHF 15 bis 25 rettet dir Stifte im Wert eines Mehrfachen davon.

Übung

Stell einen Timer auf 15 Minuten. Zeichne in den ersten sieben Minuten eine Farbkarte: Für jeden deiner Stifte ein kleines Feld von etwa zwei auf drei Zentimetern, in dem du von links nach rechts drei Druckstärken zeigst – ganz leicht aufgesetzt, mittel, dann kräftig. Schreib den Namen der Farbe daneben. Diese Karte bleibt vorne in deinem Skizzenbuch und ersetzt jedes Suchen.

In den restlichen acht Minuten suchst du dir am Fenster oder auf der Strasse eine einzige Hauswand und zeichnest sie nur mit Ocker und Indigo. Ocker leicht und flächig für die Wand, Indigo für die Schattenseite, die Fensternischen und die Linie unter dem Dachvorsprung. Kein Schwarz, keine weiteren Farben – schau nur, wie tief diese beiden gemeinsam werden können.